Interview mit Herrn Häffner

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Aus RUSH HOUR, der Schülerzeitung der DISC:

Herr Häffner, waren Sie vorher schon einmal in China?

Ja. Das das erste Mal war ich 2009 in China, direkt nach meinem Abitur. Dort habe ich als Au-pair gearbeitet und nebenher   an der  deutschen Botschaftsschule Nachhilfe gegeben und die Schularbeit dort unterstützt. Danach war ich noch ungefähr ein Jahr in China und habe mich mit mehreren kleinen Nebenjobs über Wasser gehalten. Oft bin ich z.B. in Werbespots für chinesische Firmen aufgetreten, was sehr viel Spaß gemacht hat.

In dieser Zeit  habe ich  China kennen und lieben gelernt.

Wo genau waren Sie denn?

Ich war hauptsächlich in Peking, habe in dieser Zeit aber auch schon Ausflüge nach Shanghai oder Xi`an gemacht. Zwischendurch bin ich so oft es möglich war mit meinen chinesischen Freunden aufs Land gefahren, dort sieht man auch die andere Seite der Medaille.

Was sind für Sie die größten Unterschiede zwischen Peking und Changchun?

In Peking spürt man ganz klar das internationale Flair! Ich habe auch gedacht, dass es in Changchun noch mehr alte Häuser gibt, also die  alten Hutongs. Wenn man mit dem Fahrrad durch Peking fährt, sieht man unmittelbar neben den neuen Finanzgebäuden die alten traditionellen Häuser der Chinesen. Dieser Kontrast ist unfassbar spannend. In Changchun gibt es das leider kaum. Aber Changchun ist eben eine Industriestadt.

Außerdem ist es hier für einen Lehrer  schwieriger an Material zur Stundenvorbereitung zu gelangen, auch das häufig gesperrte Internet ist ein nervenaufreibendes Problem.

Warum haben Sie sich dafür entschieden nach Changchun zu kommen?

Die Vorgabe meiner Universität war ein Praktikum an einer deutschen Schule zu machen. Und da kamen in China nur Peking, Shanghai oder Changchun in Frage. In Peking war ich bereits gewesen und in Shanghai beträgt die Mindestlänge des Praktikums 6 Monate, zu lang für meine Semesterferien. So blieb  also Changchun und ich habe mich natürlich sehr gefreut, als auf meine Anfrage  so schnell eine Zusage kam und ich somit die Möglichkeit bekam, das Deutsche Auslandsschulwesen noch von einer ganz anderen Seite kennen zu lernen.

Warum wollen Sie ausgerechnet Lehrer werden?

Also ehrlich gesagt ist mir ist die Berufswahl ziemlich schwer gefallen. Ich bin ein sehr abwechslungsreicher Typ und kann nicht lange an einer Sache arbeiten. Und viele Ansätze waren mir zu spezifisch, wie zum Beispiel ein Studium in die BWL- Richtung. So seziere ich nun morgens Fische in Biologie, analysiere mittags Gedichte von Rainer Maria Rilke in Deutsch und schließe den Tag  abends mit  Plastizieren in Kunst ab. Es ist die  Vielseitigkeit, die ich am Beruf des Lehrers so schätze.

Und wie gefällt Ihnen unsere Schule?

Zu Beginn hatte ich das Gefühl, dass die Schule sehr an den Rand gedrängt und isoliert ist. Es gibt kein eigenes Schulgebäude und alles ist sehr klein hier. Für den Unterricht bedeutet das: Hier kann sich keiner verstecken. Kein Schüler, aber auch kein Lehrer. Ich glaube das ist der größte Unterschied zu einer Regelschule in Deutschland. Die Lehrer hier müssen Spezialisten in der Gesprächsführung sein, wenn man mit vier oder fünf Schülern in einem Klassenraum sitzt. Mein Eindruck ist aber, dass die Isolation auch dazu führt, dass sich Schüler und Lehrer näherkommen, es sind viel intensivere Begegnungen. So kann man auf die verschiedenen Schüler  wiederum besser eingehen. Die Schwächeren von ihrem Standpunkt abholen, und natürlich auch direkter kommunizieren und differenzieren. Was jedoch nicht heißt, dass das Unterrichten hier  leichter ist, als in einer großen Klasse. Man muss als Lehrer hier  mehr Präsenz zeigen. Diese direkte Arbeit mit den Schülern ist etwas ganz tolles, was ich mir später durchaus vorstellen könnte. Die Atmosphäre in den kleinen Klassen hat einfach  etwas   Wertvolles.
Also nehmen Sie für sich mit, dass sie kleinere Klassen mehr mögen?

Der Lehrer hat einen fachlichen Bereich, aber mag auch das Menschliche. Inwiefern kann ich dem bei einer großen Klasse  gerecht werden? Es ist komisch, wenn ich am Ende des Schuljahrs zurückdenke: Wie hieß der Junge  links hinten noch mal? Auch hat man hier die Möglichkeit sich am Wochenende mit den Schülern zu treffen für Projekte oder Ähnliches.

Was nehmen Sie für sich noch aus dem Aufenthalt in Changchun mit?

Eine neue Teekanne (lacht). Dass es spannend ist in China zu unterrichten und dass es für meine persönliche Lebensplanung  für einige Jahre als Lehrer in China zu arbeiten ein realistisches Ziel sein könnte. Aber natürlich auch die Gewissheit, dass das Unterrichten hier auch gewisse Hürden mit sich bringt. Es ist eben nicht möglich in Biologie Frösche zu beobachten, weil es in einer solchen Umgebung keine Frösche gibt, natürlich vermisst man das hier auch. Ebenso die Freizeit, wo es eben keinen Wald wie in Deutschland zum Joggen gibt.

Jedoch als berufliche Herausforderung kann ich mir es gut vorstellen, nach dem Studium nach China zu gehen. Wer weiß, vielleicht sogar wieder nach Changchun.

Reizvoll wäre für mich z.B. im Kunstunterricht eine Brücke zu schlagen, und mit  chinesischer Kaligraphie zu arbeiten und einen chinesischen Künstler in den Unterricht zu holen. In der Schule lehren und gleichzeitig die Distanz zu der chinesischen Kultur und den Menschen hier zu verkürzen; ich denke das wäre eine wunderbare Aufgabe. Und natürlich weiter Chinesisch lernen :-)